Ernährung

Kristine macht die Turbo-Diät, 5kg pro Woche...

Solche oder ähnliche Versprechungen finden Sie tagtäglich in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Mit diesen Annoncen werden alle möglichen Hilfsmittel, welche das Abnehmen erleichtern sollen, angepriesen. Zumeist werden dann irgendwelche Wissenschaftler (die in der Regel in Fachkreisen niemand kennt!) als Beweis für die Wirksamkeit der entsprechenden Methode angeführt oder es wird nebenbei erwähnt, daß die Methode in USA schon sehr erfolgreich im Einsatz sei. Letzteres stimmt allerdings häufig, zumindest was den finanziellen Erfolg der Anbieter betrifft!

Es besteht überhaupt kein Zweifel, daß das Übergewicht für viele Menschen ein großes Problem darstellt. Wie viele können über dann meist mehrfache Versuche berichten, das Gewicht zu reduzieren. Dies führt leider häufig zu einem nur kurzfristigen Erfolg mit nachfolgendem Wiederanstieg des Gewichts, welcher oft über das Ausgangsgewicht hinaus führt (sogenannter Jojo-Effekt). Daß dies für die betroffenen Personen sehr frustrierend ist, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Dementsprechend sind diese Personen natürlich für Hilfsmittel aller Art sehr empfänglich.

Nachfolgend sollen nun einige Grundregeln im Umgang mit Gewicht und Kalorien erläutert werden, die Ihnen erlauben werden, alle möglichen Diäten sinnvoll auf ihre Wirksamkeit hin einzustufen.


Grundlagen

Der Körper verbraucht je nach Tätigkeit und Alter zwischen 24 und 36 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Dies entspricht also bei einem zugrunde gelegten Gewicht von 70kg einem täglichen Bedarf von 1680 bis 2520 kcal. Selbstverständlich gibt es Menschen mit sehr anstrengenden Berufen, welche auch erheblich mehr benötigen. Die Radrennfahrer der Tour-de-France nehmen während des Rennens bis zu 7000 kcal/Tag zu sich!

Nun ist für jedermann einsichtig, daß ein Ungleichgewicht zwischen Zufuhr und Verbrauch zu einer Gewichtszunahme führen muß - die Kalorien lösen sich ja nicht in Luft auf. Dies erklärt gleichzeitig, daß Maßnahmen zur Gewichtsreduktion an zwei Punkten ansetzen können: wir müssen entweder weniger Energie zu uns nehmen oder mehr verbrauchen.

Bitte bedenken Sie hierbei: 1 Gramm Kohlenhydrate (Zucker) entspricht einem Brennwert von 4.1kcal, 1 Gramm Fett (in welcher Form auch immer) dagegen 9.3kcal. Sie nehmen also bezogen auf das gleiche Gewicht über doppelt so viel Energie zu sich, wenn Sie Fett essen.

Bedenken Sie weiter: wenn Sie eine Stunde intensiv joggen, verbrauchen Sie ca. 500-600 kcal, davon höchstens 30-40% in Form von Fett, den Rest als Kohlenhydrate (Glykogen). Vergleichen Sie diese Energiemenge mal mit dem, was auf den Nahrungsmitteln steht! Sie werden frustriert sein, wenn Sie vermehrte Energiezufuhr mit gesteigerter sportlicher Aktivität ausgleichen wollen.

Ein Kilogramm Fettgewebe entspricht nun ungefähr 7000 kcal. Nehmen wir unsere 70-kg-Person: sie verbraucht am Tag ungefähr 2500 kcal, also in der Woche 17.500cal. Dies entspricht umgerechnet in Fettgewebe einem Gewicht von 2,5kg. Würde also diese Person eine Woche lang keine einzige Kalorie zu sich nehmen, so könnte sie höchstens 2.5kg Fettgewebe abbauen.

Nun kommt denjenigen, welche die Blitz- oder Wochendiäten anpreisen, zugute, daß der Körper anfangs mehr Gewicht verliert. Die Ursache für diese doch jetzt etwas erstaunliche Entwicklung liegt in der Tatsache begründet, daß der Körper Wasser nur behalten kann, wenn gleichzeitig Mineralstoffe zugeführt werden. Dies ist aber bei einer so eingreifenden "Null-Diät" nicht der Fall, so daß der Körper trotz ausreichender Wasserzufuhr viel Wasser verliert, bis sich das Gleichgewicht neu eingependelt hat. Dieses Wasser ist aber auch innerhalb einiger Tage wieder im Körper aufgenommen, wenn die Ernährung normalisiert wird. Es handelt sich also bei diesem raschen Abnehmen vor allem um einen Wasserverlust. Dieser Mechanismus kann mit keiner auch noch so ausgeklügelten Diät beseitigt werden.

Im weiteren Verlauf der Diät kommen dann andere Vorgänge zum Tragen. Der Organismus des Menschen hat in vielen Jahrentausenden entbehrungsreichen Lebens gelernt, in Krisenzeiten mit wenig Nahrung auszukommen, indem der Stoffwechsel ökonomisiert, also auf Sparflamme gestellt wird. Dies führt dazu, daß der Kalorienverbrauch zurückgeht, also bei gleicher Energiezufuhr der Abnehmeeffekt kleiner wird. Jeder, der schon mal eine über eine Woche hinausreichende Diät gemacht hat, beobachtet diesen Effekt: man verzweifelt fast, weil sich das Gewicht teilweise über etliche Tage nicht verändert! Auch dieser Effekt wird bei jeder kalorienreduzierten Diät beobachtet.


Schlussfolgerungen

1. Um abzunehmen, führt kein Weg daran vorbei, weniger Kalorien zu sich zu nehmen, also weniger zu essen (und auch zu trinken, sofern es sich um kalorienreiches Getränk wie Cola, Bier, Wein handelt).

2. Sportliche Betätigung ist eine wichtige Unterstützung: sie führt zu einem zusätzlichen Energieverbrauch, sie verbessert aber vor allem das Wohlbefinden und die Stimmung. Diese ist oft genug bei Diäten auf dem Tiefpunkt. Vielen Übergewichtigen sieht man es geradezu an, daß sie mal wieder "auf Diät" sind.

3. Vermehrte Energiezufuhr läßt sich nur sehr schwer durch vermehrten Verbrauch kompensieren (eine Stunde Joggen mit zwei anschließenden Weizenbieren sind energiemäßig gesehen ein schlechtes Geschäft!).

4. Und jetzt kommt eigentlich das Wichtigste: diese Regeln gelten natürlich nicht nur für eine Woche, sondern immer! Wenn Sie dauerhaft abnehmen und das Gewicht auch halten möchten, müssen Sie Ihre Ernährung grundlegend ändern und dann diese Änderung auch beibehalten. Daß dies mit den zahlreichen angebotenen Pülverchen und Diätdrinks nicht möglich ist, kann jeder nachvollziehen. Sie müssen einen Weg finden, auch zukünftig das zu essen, was Ihnen schmeckt, dies aber in einer kalorienadaptierten Menge.

Bitte berücksichtigen Sie diese Tatsachen, wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, ihr Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Nur so tun Sie Ihrer Gesundheit wirklich einen Gefallen.

Nachfolgend finden Sie einige Internetadressen, unter denen Sie weitere Informationen zu diesem Themen entdecken werden. Bitte beachten Sie stets: wer will was mit einer bestimmten Information erreichen? Nur so können Sie die Information richtig werten.


Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Adipositas-Gesellschaft
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Die Dickmacher - und wie wir ihnen entkommen
Die größten Ernährungsirrtümer


Dr. med. Axel Heider






Letzte Änderung am Sonntag, 5. März 2017


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